Glocken


Die Glocken von St. Bernwardglockenturm

Seit Ende der 50er Jahre rufen die Glocken nun zu den regelmäßigen Gottesdiensten der Pfarrgemeinde, verkünden frohe, aber auch traurige Botschaften. Die Läuteordnung von St. Bernward Salzgitter sieht ein regelmäßiges Geläut zu und bei Gottesdiensten, das tägliche Angelusläuten um 07:00, 12:00 sowie 19:00 Uhr vor. Des Weiteren erklingen bei außergewöhnlichen Ereignissen wie beispielsweise einer Papstwahl oder einem Bistumsjubiläum die Glocken länger.

Glocken: Kulturgut

Im Nachkriegsdeutschland stand aus Materialmangel und auch aus Kostengründen nicht genügend Bronze zur Verfügung, um Glocken gießen zu können. Die neu aufblühende Stahlindustrie fertigte daher Glocken aus Gussstahl, die vielfach die im Krieg eingeschmolzenen Glocken ersetzen mussten und auch in Kirchenneubauten eingesetzt wurden. Die führende Gussfabrikation war der „Bochumer Verein für Gussstahlfabrikation AG“. Auch die vier Glocken unserer Gemeinde, die am 13. Dezember 1959 feierlich geweiht wurden, stammen vom Bochumer Verein. Sie hängen im ca. 2400 kg schweren gusseisernen Glockenstuhl übereinander.

Das Besondere an den Glocken von St. Bernward

Durch die freundliche Unterstützung des Glockensachverständigen und Campanologen Sebastian Schritt aus Trier konnten neue Erkenntnisse über die Glocken gewonnen werden. So konnten die Gewichtsangaben präziser angegeben werden. Sie stammen aus dem Gussbuch des Bochumer Vereins. Heute befinden sich die Gußbücher im Historischen Archiv Krupp in Essen. Ferner konnten einige Details in der Tonanalyse durch eine neuere Prüfung präzisiert werden (siehe Tabelle der Tonanalyse).

glockenInfolge der Mitarbeit vor allem des Glockensachverständigen Theo Fehn von der Pfälzischen Landeskirche entwickelte der Bochumer Verein seit Kriegsende mehrere neue Rippen. Nach der sog. Untermollsext-Rippe, die bereits 1949 entwickelt wurde, war die sog. Dur-Rippe ein neuer Durchbruch. Bei dieser Rippe liegt die Terz nicht, wie sonst üblich, eine Mollterz über dem Schlagton, sondern eben eine Durterz darüber. Diese Rippe war 1958 ausgereift. Die große Glocke in St. Bernhard wurde jedoch schon 1957 gegossen und stellt damit eines der frühesten Exemplare dieses neuen Rippentyps dar. Es handelt sich vermutlich um eine Versuchsglocke, deren Innenharmonie noch nicht ganz ausgereift (die Durterz ist 6/16-Halbton vertieft), jedoch so gut war, daß man sie an eine Kirchengemeinde verkaufen konnte. Die Glocken II und III sind in der sog. Rippe V 7e gegossen, der seit Mitte 1950 gebräuchlichen Oktavrippe des Bochumer Vereins. Glocke IV hingegen eine Untermollsextglocke, deren Unterton eine Mollsexte unter dem Schlagton, nicht aber eine Oktave tiefer liegt. Ihr Unterton deckt sich mit Schlagton und Prime von Glocke I. Damit ergibt sich die Tonreihe c°-e°-g°-c‘-e‘-g‘-a‘ (Untertöne und Schlagtöne). Diese Kombination verschiedener Rippentypen geht auf Theo Fehn zurück, der als Glockensachverständiger in der Pfalz beste Beispiele auf die Türme brachte, genannt seien hier nur Albisheim an der Pfrimm; Dellfeld; Grünstadt und Mechtersheim. Die große Glocke in St. Bernhard kann daher als wertvolles Zeugnis in der Entwicklungsgeschichte der Gussstahlglocke betrachtet werden.

 


 

Die einzelnen Glocken in der Übersicht

Die größte GlockeDie zweitgrößte GlockeDie drittgrößte GlockeDie kleinste Glocke
Foto Infos Inschrift
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Obere Inschrift: König der Könige / Herr der Heerscharen
Untere Inschrift: Den Gefallenen der Weltkriege 1914-1918 und 1939- 1945 zum Gedächtnis
Schlagton: c‘
Glockennummer: 6793
Durchmesser: 1715 mm
Gewicht: 2105 kg
Rippe: Dur-Oktav-Rippe (Gußjahr 1957!)
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Foto Infos Inschrift
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Obere Inschrift: ZU + UNS + KOMME + DEIN + REICH
Inschrift Flanke Rückseite: St. Maria
Schlagton: e‘
Glockennummer: 6866
Durchmesser: 1350 mm
Gewicht: 917 kg
Rippe: V7e-Molloktavripp
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Foto Infos Inschrift
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Obere Inschrift: DIENET + DEM + HERRN + MIT + FREUDEN
Inschrift Flanke Rückseite: St. Bernward
Schlagton: g‘
Glockennummer: 6838
Durchmesser: 1110 mm
Gewicht: 518 kg
Rippe: V7e-Molloktavripp
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Foto Infos Inschrift
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Obere Inschrift: BETE + UND + ARBEITE
Inschrift Flanke Rückseite: St. Hedwig
Schlagton: a‘
Glockennummer: 6790
Durchmesser: 1050 mm
Gewicht: 524 kg
Rippe: Untermollsextrippe
hedwig_klein, glocken

 

Aufbau von Glocken

Rippenformen_Internet Glockenaufbau_Internet

 

Abbildung links: Schematische Darstellung von 9 Glockenrippen vom frühen 12. bis 20. Jahrhunderts. Nach Rinckers Kleine Glockenkunde, 1979.
Abbildung rechts: Aufbau einer Glocke. Nach Kurt Kramers Glocken in Geschichte und Gegenwart, 1997.

 

 

 

 

 

 


 

Tonanalyse der Glocken

Glocke Die Größte St. Maria St. Bernward St. Hedwig
Schlagton c‘ – 2/16 e‘ -3/16 g‘ – 1/16 a‘
Prime c‘ – 2/16 e‘ -3/16 g‘ – 1/16 a‘
Terz e‘ -8/16 g‘ -3/16 b‘ -1/16 c“ + 1/16
Quinte g‘ +/- 0 h‘ -5/16 d“ – 2/ 16
Oberoktav c“ – 2/16 e“ – 3/16 g“ – 1/16 a“
Unteroktav c – 5/16 e – 2/16 g – 1/16 c‘
Nachhall
Unteroktav 50 Sek. 56 Sek. 52 Sek. 42 Sek.
Prime 15 Sek. 17 Sek. 14 Sek. 16 Sek.
Terz 15 Sek. 17 Sek. 14 Sek. 16 Sek.
Gewicht 2105 kg 917 kg 518 kg 524 kg
Durchmesser 1715 mm 1350 mm 1110 mm 1050 mm

 

Mögliche (klanglich schöne) Läutemotive der Glocken

Verfasser und Tonaufnahmen: Sebastian Wamsiedler