Worte des Pfarrers aus dem aktuellen Pfarrbrief


Liebe Gemeindemitglieder,

nach sechseinhalb Jahren in „St. Bernward – Thiede-Steterburg naht die Zeit meiner Entpflichtung als Pfarrer dieser Gemeinde.

Es fällt mir nicht leicht. Ich denke an die vielen Gottesdienste, an die Begeg­nungen und Gespräche mit denen von Ihnen, die ein schönes oder ein schweres Ereignis in der Familie erlebt haben und die ich in Taufen, Trauungen, Jubiläen und auch durch die Krankensalbung oder das Begräbnis begleiten konnte. Ich denke an die zahlreichen Menschen in unseren Kirchorten, die immer wieder mitarbeiten und mitgestalten. Die mit ihrem Leben und Arbeiten Zeugnis geben von ihrem Glauben an Gott. Ich denke an die Frauen und Männer in den Räten und Gremien der Pfarrei, die vielen Ehrenamtlichen, die Helferinnen und Helfer in der Sakramentenpastoral, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Kindergarten und der Familienbildungsstätte, das Team im Pfarrbüro und … und … und …

Zusammen haben wir in den vergangenen Jahren die uns gestellten Aufgaben angenommen. Zusammen konnten wir Ideen entwickeln und umsetzen.

Das alles habe ich gerne und mit Freude getan. Es war mir wichtig.

Natürlich weiß ich auch, dass ich in dieser Zeit bei weitem nicht allen Mitchristen im weitläufigen Gemeindebereich begegnen konnte und hoffe, dass auch diejenigen, denen ich nicht bzw. nicht der richtige Gesprächspartner sein konnte oder in anderer Weise etwas schuldig geblieben bin, mir das nachsehen können.

Die letzten Monate habe ich immer mehr das Nachlassen meiner Kräfte gespürt …

Ein Gedanke war und ist mir in diesem Zusammenhang sehr wichtig: Dass St. Bernward auch ohne Pfarrer vor Ort eine lebendige Gemeinde bleibt, die durch Gemeinsamkeit aller Mitglieder guten Willens ihren Weg in die Zukunft geht.

Ein Text der verstorbenen evangelischen Theologin Dorothee Sölle ist mir in diesem Zusammenhang eingefallen, der das deutlich macht:

Menschen brauchen die Kirche, schreibt sie, „um Gott zu teilen: Jeder bringt etwas mit von Gott, um es in der Gemeinsamkeit miteinander zu teilen: Du bringst deinen Hunger nach Gott mit, dein Stückchen Freude im Leben hast du in der Tasche, was du bereits weißt von Gott, der schon mal mit ‚Strömen der Liebe‘ auf dich gereg­net hat – das alles bringst du mit. Das von Gott, … das in jedem Men­schen steckt, vielleicht ganz klein, zerknittert, verschrumpelt – du bringst es mit. Ohne dich ist Gott kleiner!“

Sicher werden einige sagen: Was für ein Unsinn! Gott ist unendlich groß!

Unbestritten ist aber – gerade in unserer Zeit -, dass Gott auch eine „Außenseite“ braucht, eine lebendige und authentische noch dazu. Das sind und bleiben (und könnten es werden) Sie und ich. Jede und jeder in den Beziehungen und an den Orten, in und an denen wir leben.

Ganz gleich, unter welchen äußeren Umständen (gerne auch zer­knittert und verschrumpelt): Wir sollen Kirche (Gemeinsamkeit) mitten unter den Menschen sein und bleiben. Klein oder groß, ganz egal. Hauptsache, Kirche kann erfahren werden, die Tür bleibt einladend offen – für alle. Der Glaube an Gott ist ein Geschenk. Es will geteilt werden wie Brot.

In diesem gemeinsamen Glauben an unseren Gott, der sich uns schenkt, sind wir – Sie und ich und alle – dauerhaft verbunden und bleiben es auch.

In diesem Gedanken fällt es mir auch leichter, von meiner Aufgabe als Pfarrer Abschied zu nehmen. Ich bleibe Ihnen im Gebet verbunden und bitte Sie – wenn Sie es vermögen – mich in Ihr Gebet einzuschließen.

„Du umschließt mich von allen Seiten und legst deine Hand auf mich.“ (Psalm 139,6)

Mit diesem Wort segne und grüße ich Sie alle.

Ihr P. E. Mencher, Pfarrer